Einzelnen Beitrag anzeigen
#135
Alt 28.06.2019, 14:07   (Saarbrücken)
Daniel84
SofaCoach
 
Benutzerbild von Daniel84

Das ist ein extrem ambivalentes Thema.

Aus meiner Erfahrung hätten wir wahrscheinlich als gesetzlich Versicherte nie ein Kind bekommen, weil diverse Kassenärzte eine relativ einfache Erkrankung monatelang falsch behandelt haben bzw. mit Breitbandantibiotika. Nur die private Ärztin hat Stämme gezüchtet und gezielt ein Antibiotikum gesucht, das wirksam war. Und vor allem mit Nachsorge und nicht "Kommen sie wieder, wenn's nicht weg ist". Einem anderen Familienmitglied mit über 10 Jahren Parkinson würde es heute auch nicht so "gut" gehen, wenn er nicht die teuren, aber gut wirksamen Medikamente bekommen würde, die nur für PKV zuzahlungsfrei sind.

Ja, es wird im Alter teuer, aber an der Gesundheit möchte ich nicht sparen. Es gibt aber zwei Exitstrategien:
  • unter 55 muss man nur kurzzeitig das Jahreinkommen unter die relvante Marke drücken, um wieder pflichtversichert zu sein und sich damit wieder in der GKV anmelden zu können. Methoden sind z.B. Teilzeit, Elternzeit, Sabbatical oder Bruttoumwandlung in BAV
  • über 55 ist's schwer im Normalfall. Hier ist der einfachste Weg innerhalb der PKV in den s.g. "Basistarif" zu wechseln, der der GKV nachempfunden ist bzgl. Leistungen und Beiträgen.

Ob man das so durchziehen will, war für mich auch eine Gewissensentscheidung. In den jungen, hoffentlich gesunden Jahren spart man je nach Tarif ~200 € monatlich für die deutlich bessere medizinische Versorgung. Im Alter lässt man sich in die solidarische Kasse zurückfallen, in die man im Prinzip nicht eingezahlt hat. Ich würde es trotzdem wieder tun :/
Mein eigentlicher Plan ist ohnehin in der PKV zu bleiben, da das jetzt gesparte Geld langfristig dafür angelegt ist.

Alternativen sind private Zusatzversicherungen.

Meine persönliche Vermutung ist, dass sich das PVK / GKV System nicht mehr lange hält, weil es einfach extrem unfair ist, besonders bei normalen Angestellten. Irgendwann in den nächsten 10-20 Jahren wird wohl die Bürgerversicherung kommen und alle jetzt privat Versicherten dürfen wahrscheinlich wechseln und ohne weitere Gesundheitsprüfung private Zusatzleistungen bzw. -versicherungen behalten. Aber wer weiß, die Lobby ist groß und mit der Union ist die Bürgerversicherung erstmal nicht machbar.
Nochmal danke, also momentan bin ich eher auf dem Stand, in die Private zu wechseln. Die Nachteile sind zwar nun alle bekannt, trotzdem könnte ich glaub ich damit gut leben. Die steigenden Beiträge im Alter sind klar, wenn man sich aber die Statistik der Debeka anschaut waren diese Erhöhungen jetzt nicht wirklich dramatisch. Zumal es sich eine solch große Versicherung wie Debeka wahrscheinlich nicht leisten kann, mit exorbitanten Steigerungen eine im Schnitt immer älter werdende Kundschaft ans Messer zu liefern. Außerdem habe ich in dem Tarif auch eine zusätzliche Sparkomponente drin, die meinen Beitrag im Alter um 250 € reduziert. Die ist natürlich teilweise weg, wenn ich die Versicherung wechsele, klar, wenn ich aber einmal gewechselt und zufrieden bin stellt sich das Thema (hoffentlich) nicht.

Meine Sorge war noch, dass ich Probleme bekomme, falls ich mal längere Zeit arbeitslos wäre (was ich mir nicht vorstellen kann, aber man soll ja nie "nie" sagen) oder so viel weniger verdiene, dass es grenzwertig wird. Aber auch hier sollte es bis 55 ja kein Problem geben und auch über 55 kann ich im schlimmsten Fall in den Grundtarif wechseln, hätte dann weniger Leistungen, vergleichsweise wie bei den gesetzlichen, aber auch einen Tarif der sich auf dem Niveau der gesetzlichen bewegt.

Auch die Kinder sind kein Problem, da diese eh schon über meine Frau privat versichert sind. Diese hat übrigens auch gute Erfahrungen beim Einreichen der Arztkosten bei Debeka über die App gemacht. Mit dem Fakt, dass man aufpassen muss, als Privatpatient nicht "überversorgt" zu werden, kann ich auch leben, ich lasse eh nichts zu ohne nochmal nachzufragen. Als mein Zahnarzt zuletzt nach 10 Jahren mal wieder meine Weisheitszähne röntgen wollte hat das zu größeren Diskussionen geführt.

Von daher überwiegen eher die Vorteile, dass ich die besseren Leistungen habe, gerade falls ich später doch mal schwerer erkranken sollte, und einen günstigeren jetzigen Tarif, auch wenn man dem weniger Beachtung schenken sollte, klar. Also wenn jetzt keiner mehr ein Totschlagargument hat, warum man die Privaten auf jeden Fall meiden sollte, tendiere ich dazu zu wechseln...
__________________
DU bist Togo!
Daniel84 ist offline Mit Zitat antworten
Ein User sagt Danke:
Ravioli (01.07.2019)