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Alt 31.10.2017, 21:51   (Leverkusen)
Bastinho
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Also dann, Stranger Things Staffel 2, meine Meinung zur gesamten Staffel:

Mich hat die Serie einfach in ihren Bann gezogen.

Um aber direkt mit der Kritik anzufangen: Reduziert man die Staffel nur auf die Storyline, findet man sicherlich einige Schwächen. Ich mach das jetzt mal an vier wesentlichen Punkten fest:

1) Das Erzähltempo
Die Staffel ist zu Beginn sehr langsam. Man knüpft in aller Seelenruhe an die Ereignisse aus der ersten Staffel an und führt zudem sehr gemütlich die neuen Charaktere ein. Das war mir zu Beginn schon fast zu ruhig, aber so ca. ab Mitte der dritten Folge nimmt die Staffel dann Fahrt auf.

2) Die neuen Charaktere
Einige gut und wichtig für die Handlung (Mad Max finde ich zB toll ), einige andere fast schon unnötig:
- Billy ist meiner Meinung nach fast schon überflüssig und dazu eigentlich auch zu viel Klischee. Die Duffer-Brüder haben seine Rolle damit begründet dass sie einen menschlichen Gegenspieler haben wollten, um eine Nebenhandlung zum eigentlich Kampf gegen das Upside Down einzuführen. Und somit hatte er eigentlich keinen wirklichen Einfluss auf die Hauptstory.
- Bob, nunja. Natürlich ist es schön, Samwise in einer fast schon ähnlich heroischen Rolle nochmal zu sehen. Und Bob hat auch einen erheblichen Einfluss, vor allem in seinen letzten Szenen. Aber mir war das irgendwie zu dünn. Zwischendurch dachte ich dass er mit den Bösen unter einer Decke steckt und da irgendwie einiges manipuliert. Als es dann deutlich klar wurde dass das nicht so ist und er eigentlich nur ein netter Kerl ist der helfen will, war er ganz plötzlich schon wieder weg. Schon eine sinnvolle Rolle, aber irgendwie klang da für mich zu sehr "Wir brauchen die Rolle für die Handlung, aber so richtig ausbreiten wollen wir sie eigentlich nicht" durch.

3) Elevens Storyline
Diese eigenständige Folge über Eleven und ihre verlorene Schwester. Nett anzuschauen? Definitiv! Einfluss auf die Hauptstory? Schon klar, Eleven erkennt erst durch ihre Schwester die wahren Ausmaße ihrer Fähigkeiten, ohne dieses Kennenlernen wäre sie nicht in der Lage gewesen, am Ende das Gate zu schließen. Abgesehen davon dass ich das etwas sehr konstruiert fand: Die ganze Folge roch einfach nach "Wir müssen Millie Bobby Brown mehr Screentime geben, viiiiiel mehr. Ist schließlich der Superstar der Serie."

4) Das Upside Down
Also nicht das Upside Down an sich, das ist faszinierend dargestellt und vor allem visuell (aber dazu komme ich gleich noch) fantastisch anzuschauen. Aber mir fehlt da nach wie vor so ein bisschen Hintergrundwissen. Wie ist es entstanden, welchen Zweck hatte es, etc. Schon klar dass es keine Mystery-Serie wäre wenn man vorher schon weiß was aus welchem Grund passiert. Aber wie das Ende zeigt werden wir auch eine dritte Staffel mit dieser Paralleldimension verbringen. So ein kleines bisschen Erklärung dazu wäre schon langsam mal ganz nett.

Da das jetzt aber genug Kritik für eine - in meinen Augen - grandiose Staffel war, kommen wir zu den guten Sachen:

Das 80er Retro-Feeling
Die Serie ist wieder wunderbar nostalgisch, mit diesem angenehmen Gefühl rund um die eigentlich ja dramatische Story. Da liegt meiner Meinung nach auch die größte Stärke der Staffel: Die Duffer Brüder haben diese nostalgische 80er Stimmung wieder eingefangen, teilweise sogar noch intensiver gemacht, und das alles ohne Staffel 1 zu kopieren, sondern indem sie die Story forsetzen. Schon alleine deshalb ist die Staffel ein Highlight, da ändern auch die oben genannten Schwächen nichts dran.

Die generelle Stimmung
Die Staffel wirkt auf mich düsterer als die erste Staffel. Man bekommt das Böse viel näher mit, es gibt gefühlt ab der dritten Folge durchgehend Actionszenen, Gefahren lauern überall, und zwischendurch fragt man sich wirklich "Wie zum Geier sollen die das überleben?".

Die Charakterentwicklung
Wo die Einführung der neuen Charaktere ihre Schwächen hat, überzeugt mich die Entwicklung der alten Charaktere. Steve hat plötzlich einen gewaltigen Einfluss auf die Story und wirkt dabei tatsächlich sympathisch. Dustin und Lucas werden deutlich tiefer dargestellt als in Staffel 1, Will wird überhaupt mal dargestellt (in Staffel 1 war ja eigentlich eher eine Nebenrolle, auch wenn er der wesentliche Faktor der Story war). Und auch die Liebesdreiecke Dustin-Lucas-Max und vor allem Jonathan-Steve-Nancy wirken auf mich nicht zu kitschig, sondern sind irgendwie passend für die Story und das 80er Gefühl.

Die Optik
Ganz groß zugelegt hat die Serie bei der visuellen Umsetzung, was aber bei dem deutlich höheren Budget (es standen wohl 8 Mio. Dollar pro Folge zur Verfügung) auch wenig überraschend ist. Das Upside Down ist wunderbar inszeniert, dieser Schlusskampf von Eleven gegen das Schattenmonster zB ist auch ganz stark dargestellt.


Alles in allem bleibt zu sagen dass das mal wieder eine wundervolle Staffel war. Fans der 80er kommen mal wieder voll auf ihre Kosten, und generell wird jeder, der über ein paar inhaltliche Schwachpunkte hinwegsehen kann, hervorragend unterhalten.
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