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Alt 10.11.2017, 00:55
picknicker
Couchpotatoe
 
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American Vandal S01 * * * * *
Wo? Netflix
Dauer: knapp 4h Gesamtlaufzeit bei insgesamt 8 Folgen

Wenn BoJack Horseman eine Doku über 27 Graffiti-Penisse auf den Autos einer High School-Lehrerschaft, einen logischen Angeklagten und die Aufarbeitung des Falles durch Mitschüler wäre, dann wäre sie American Vandal. Ist die Serie für knapp die Hälfte ihrer Staffel Teil Blödelhumor a la Superbad, Teil Parodie auf True Crime Dokus Marke Making A Murderer und deren Fetische, zieht sie einem in ihrer zweite Hälfte mit einem veritablen Drama komplett die Füße weg. Charaktere sind plötzlich nicht mehr Stereotypen, die einzig als Vehikel für Peniswitze und absurdeste CGI-Animationen dienen, sondern wirken wie echte, vielschichtige Heranwachsende. Und doch gibt es einen großen Unterschied zur besten Netflix-Serie: Wo BoJacks Emotionalität v.a. von einer depressiven Schwere herrührt, fühlt sich das bei American Vandal mehr wie eine große Wärme für ihre liebenswürdigen Charaktere an.

Kurz: Ein kleines Meisterwerk und eine der besten Neflix-Serien. Klare Empfehlung!
Ich habe mir die Serie auf deine Empfehlung hin mal angesehen und fand sie leider nicht so geil wie du.

Ja, wer Satire mag, der kann sich das bisweilen angucken, der Humor an einigen Stellen ist gut, nur trägt er das Konzept und des gesamten Aufbau der Story nicht über vier Stunden. Trotz oder gerade wegen der Dynamik, die diese halbdokumentarischen Serie etwa zur Hälfte entwickelt, hatte ich mir eine Entwicklung oder andere Facetten der Figuren erhofft, sie kam nicht. Zweifellos wird es dramatisch, allerdings ändern sich weder Inszenierung noch Motive der Figuren, der parodistische Charakter des Plots verhindert mehr oder minder so etwas wie Würde und Mitgefühl für die Figuren, Vielschichtigkeit und Echtheit sehen für mich anders aus. Auch die Botschaft am Ende fand ich in besonderer Weise enttäuschend, weil sie zum einem perspektivisch gefärbt und zum anderen für aufmerksame Beobachter nicht besonders klug ist. Gut fotografiert ist das Ganze natürlich, auch die Darstellerleistungen sind ok, aber Meisterwerk, eine der besten Serie auf Netflix, puh, nee. Find ich leider nicht gut, eher mittelmäßig.

Übrigens, Highschool-Filme:

Schon vor ein paar Monaten habe ich The Edge of Seventeen auf Netflix gesehen. Der Film schafft es sehr gut ein überzeugendes Bild einer mit sich und ihrer Umwelt unzufreidenen Jugendlichen zu zeichnen. Diese Nadine wird von Hailee Steinfeld (z. B. True Grit) hervorragend gespielt, ich habe ihr irgendwann das kluge, unsichere aber auch ultra nervtötende Mädchen völlig abgenommen. Die anderen Figuren bleiben zunächst blass, in der Interaktion mit der Hauptprotagonistin entblättert der Plot aber auch deren Charakterzüge und Nöte im Leben, sodass man hier tatsächlich von vielschichtigen, erstaunlich unkonstruierten Jugendlichen und ihrer Geschichte sprechen kann. Damit einher geht weiterhin eine Entwicklung der Persönlichkeit Nadines und das nicht ganz so überraschende Ende, selbst wenn mich Thema und Inhalt der Geschichte nachdenklich zurückgelassen haben. Den Humor möchte ich anbei besonders hervorheben, der vornehmlich durch Steinfeld, aber auch Harrelson als Geschichtslehrer exzellent getragen wird. Harrelson war auch letztlich der Grund, warum ich mir den Film angesehen habe, Fans von ihm kann ich The Edge of Seventeen also bedenkenlos empfehlen, ebenso allen, die Bock auf einen guten Highschool-Film haben und The Breakfast Club, Superbad oder Easy A mögen. Hier noch der Trailer:


Geändert von picknicker (10.11.2017 um 01:09 Uhr)
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Flo (10.11.2017), Leines (10.11.2017), Pato discoteca (10.11.2017), zeze (10.11.2017)